Montag, 15. Dezember 2008
Typisch Russisch: Schnee, Natur genießen und Schaschlick (Снег, природа и шашлык)
Auch die bereits sehr niedrigen Temperaturen hielten uns nicht davon ab, rauszufahren. Unsere Ziele waren die Вертолетка (ein ehemaliger sowjetischer Hubschrauberlandeplatz mit schönem Blick auf einige Wolgainseln und das umliegende Zhygulevski Gebirge) und Zarev Kurgan (Царев Курган), ein weiterer erhobener Aussichtspunkt mit Sicht auf den Sok (Сок), ein Wolga-Zufluss, und die Wolga selbst. Im Windschatten des Zarev Kurgan haben wir dann kurzerhand unseren Schaschlickgrill ausgepackt und lecker gegrillt. Das Schaschlick haben wir mit halbtrockenem russischen Rotwein runtergespült. Mmmh... sehr lecker! Da war von der Kälte auch nichts mehr zu spüren.
Irgendwann wurde es aber auch dunkel, das passiert ja jetzt immer eher, und wir mussten leider wieder den Heimweg antreten, und unseren Ausflug beenden. Einen Stopp zum Aufwärmen bei Tee und Blinis gab es noch bei uns und dann war der Sonntag auch schon gelaufen.
Hier noch eine kleine Auswahl an Fotomaterial, den Rest findet ihr in der Galerie.
Freitag, 12. Dezember 2008
Mehr Bilder
Kasan Reisebericht
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Mit etwas Verspätung kommt hier mein Reisebericht zu Kasan:
Am Freitagmorgen vor einer Woche bin ich mit dem Bus nach Kasan aufgebrochen, um mir diesen Exot in Russland anzuschauen. Wieso Exot? Ich hatte es im Eintrag zuvor schon angedeutet, Kazan ist die Hauptstadt der autonomen Republik Tatarstan und genießt einige Privilegien. Die steuerlichen Abgaben Tatarstans an Moskau sind niedriger als für andere Gebiete, Tatarstan hat einen eigenen Präsidenten und neben Russisch auch einen zweite eigene Amtsprache: Tatarisch. Die Mehrheit der Bevölkerung ist islamisch, was sich auch im Stadtbild deutlich zeigt. Zudem verfügt Tatarstan über Ölverkommen, was sich auch wieder im Stadtbild Kazans sichtbar wird. Alles das war für mich Grund genug, den Weg auf mich zu nehmen.
Um 09.05 Uhr sollte es also losgehen, leider fanden sich nicht genug Mitfahrer für diesen Termin und so wurde diese Reise gestrichen. So musste ich einen Stunde warten, bis ich mit dem nächsten Bus aufbrechen konnte.
Kurz hinter den äußeren Stadtgrenzen Samaras durfte ich schon ins weite Nix blicken. Nur einige Straßen schlängelten sich durch die russische Landschaft, nie außer Sichtweite die Wolga, Europas längster Fluss. Vereinzelt tauchten hin und wieder dann kleine Städte und Dörfer auf, in denen wir Halt machten. Der Unterschied zwischen Stadt und Land ist schon sehr deutlich. Auf den ersten Eindruck erscheint mir das Leben auf dem Land um einiges einfacher, was natürlich nicht verwunderlich ist und da kann so ein Reisebus, vor allem so ein topmoderner und klimatisierter wie unser, so manches Aufsehen erregen. So ging es also 450km, nicht 800km, wie ich zunächst dachte, über die Käffer. Als es schon wieder dunkel wurde, kam ich in Kasan an. Einige Zeit später holte mich dann auch Pavel, mein CouchSurfing-Host, mit dem Taxi ab und wir fuhren zu ihm in die Wohnung, wo mir meine Couch gezeigt wurde. Die Sitzpolster zweier Sessel sollten meine Schlafunterlage sein und Kissen und Decke gabs auch. Super! Der Abend war noch jung, so dass noch Zeit für einige Unternehmungen war. Und wie es der Zufall so wollte, so hatte Marat, ein Freund Pavels, ebenfalls CouchSurfing Besuch. Elisa aus Mailand und Andrea aus Wien, die beide in Moskau für ein Semester studieren, hatten sich für den gleichen Zeitraum nach Kasan aufgemacht. Sogleich war ein gemeinsames Treffen organisiert. Bis zum Treffen hatten Pavel und ich allerdings noch etwas Zeit und so zeigte er mir noch schnell den Kasaner Kreml, die große Moschee und erzählte mir einiges über Kasan und einige seiner wichtigen Gebäude.
Das einzige Bild des ersten Tages: die Kul-Scharif-Moschee bei Nacht
Anschließend trafen wir uns alle beim Italiener zum Abendessen. Es war ein guter Italiener, was unsere persönliche Fachfrau bestätigen konnte. Die ganze Situation war sehr witzig, denn es saßen fünf Leute am Tisch, die sich bis auf Pavel und Marat quasi fremd waren und aßen gemeinsam zu Abend. Was noch viel witzig war, das ganze Wochenende wurde Russisch gesprochen, auch wenn ich mich mit Andrea und Elisa, die in Berlin studiert und damit fließend Deutsch spricht, auch auf Deutsch hätte unterhalten können. Aber die beiden bestanden darauf, Russisch zu sprechen und so blieb es dabei. Da staunten auch die anderen nicht schlecht :) Für den nächsten Tag hatten wir uns für eine gemeinsame Stadtbesichtigung verabredet und so endete der Abend schon bald.
Unsere Hosts: Marat links und Pavel rechts
Die drei CouchSurfer: Andrea (AUT), Elisa (ITA), ich (GER)
Meine erste Nacht als CouchSurfer war super! Nach einem stärkenden Frühstück gings also auf Erkundungstour. Schaut Euch die Bilder an, die fassen das besser und vor allem kürzer zusammen (unter Samara Galerie, Link auf der rechten Seite).
kleines Gruppenbild mit Marat und Elisa
Gegen Abend musste Pavel mich dann leider zurücklassen, weil seine Bank, in der er arbeitet, ihr 15 jähriges Jubliäum feierte. So blieb Marat also mit 3 CouchSurfern zurück. Zu Mittag gab es usbekische Küche im tatarischen Viertel Kazans! Bei mir gabs es Lagman (Nudeln mit einer scharfen Gemüse- und Fleischsoße) und Schaschlik! Sehr lecker! Weil wir eigentlich schon viel gesehen hatten, den Mädels die Füße weh taten und Marat auch keinen Bock mehr hatte, sind wir auf zu Marat heim, um uns auszuruhen und den weiteren Abend zu planen.
Spaziergang am Ufer der Kasanka, ein Zufluss der Wolga
Marat bewohnt ein Zimmer in einer 3-Zimmerwohnung, die er mit einer tatarischen Babuschka teilt und noch einer tatarischen Dame. Die Babuschka durften wir auch bald kennenlernen – eine sehr fröhliche und liebe Frau, die von so viel Besuch begeistert war und uns ständig alles Gute und viel Spaß gewünscht hat. Und den hatten wir dann... auf Marats PC fand sich ein Karaoke-Programm und neben einigen russischen auch westlichen Klassiker der 90er. Das Thema des Abends war damit klar. Keine Kasaner Diskotheken oder Nachtclubs. Karaoke bis zum Abwinken! Super! Irgendwann tauchte dann noch ein Freund von Marat aus Südkorea auf und gesellte sich zu uns. Sein Russisch war allerdings mangelhaft und er konnte sich kaum mitteilen, stattdessen saß er im Sessel und kippte ein Dosenbier nach dem nächsten :) Noch etwas später fand dann auch Pavel torkelnder Weise den Weg zu uns. So nahm der Abend dann seinen Lauf und endete um 2 Uhr nachts irgendwann daheim.
Gruppenbild mit Babuschka
Für den nächsten, und meinen letzten Tag, hatte Pavel noch etwas spezielles vorbereitet: Botschki (Бочки), was einfach nur „Fässer“ bedeutet! Zum Entspannen und für das etwas andere Banja (Dampfbad)-Erlebnis hatten wir uns für eine Behandlung in einem medizinischen Sanatorium angemeldet. Nach der vorherigen Nacht sicherlich nicht die schlechteste Idee. Auf dem Programm standen ein Dampfbad im Fass und anschließend eine Massage. Großartig!
Kurz zum Prozedere: man setzt sich also in so ein großes Fass, so dass nur noch der Kopf rausguckt. In das Fass wird Dampf hineingeblasen, der mit einem besonders heilenden Kraut aus der Region um Khanty Mansysk (Sibirien) versetzt ist. Dieses Dampfbad dauert dann 15min , anschließend wickelt man sich in eine Decke und legt sich für einige Zeit zur Ruhe. Dazu wird Tee aus den gleichen Kräutern serviert. Zum Abschluss noch eine Massage. So verbrachten wir also noch einmal 2 Stunden.
Botschka (Бочка)
Und das war auch schon fast der Abschluss meines Besuchs in Kasan. Wir trafen uns noch kurz mit Marat, Andrea und Elisa und ich verabschiedete mich in Richtung Bahnhof. Vor mir stand eine zwölfstündige Zugfahrt mit dem Nachtzug von Kasan nach Samara. Der Zug war voll mit Soldaten, die auf dem Weg zurück in ihre Kaserne waren. Man hatte mich schon vorgewarnt, dass wenn Soldaten im Zug fahren, es in der Regel sehr feuchtfröhlich und laut zugeht. Ich hatte Glück, die Zugfahrt war ruhig und da es ohnehin schnell dunkel wurde, fielen mir bald die Augen zu und ich schlief bis zu meiner Ankunft in Samara. Bei Ankunft am Montagmorgen war es ca. 06.00 Uhr Ortszeit. Die ersten Busse fuhren wieder. Andi hatte sich aus dem Bett gequält und empfing mich am Bahnhof. Wieder daheim angekommen ging es nach dem Frühstück auch schon wieder auf Arbeit - ein schwerer Gang in den Alltag, nach all dem, was am Wochenende passiert war...
Kul-Scharif-Moschee bei Tag
Zusammenfassend muss ich sagen, dass ich mir eine solche Fahrt nicht hätte träumen lassen. Ich bin ohne Komplikationen hin und zurück gekommen, hatte einen großartigen Host und Stadtführer in einer mir völlig fremden Stadt und habe interessante Leute kennengelernt. Ob es einmalige Bekanntschaften bleiben oder ob es doch vielleicht irgendwann ein Wiedersehen gibt, bleibt abzuwarten. Aber weil Moskau bei mir noch als Reiseziel auf dem Reiseplan steht, könnte es zumindest zu einem Treffen mit Andrea und Elisa kommen. Schön wäre es. Viel besser könnte eine Premiere als CouchSurfer nicht sein!










