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Sonntag, 23. November 2008

Am Sonntag ins Schwimmbad (В воскресенье в бассейн)





















Und wieder ist eine Woche um, und ich warte immer noch auf den ersten russischen Schnee, der liegen bleibt. An zwei Tagen ist ein bisschen was vom Himmel gefallen, aber weiß hat es die Straßen nicht gefärbt. Der übliche Dreck auf der Straße ist also nach wie vor sichtbar. Und die heutige strahlende Sonne weist auch nicht gerade auf baldigen Schnee hin. Aber mit dem Wetter weiß man das hier nie so genau.

Hier die Wochenzusammenfassung:

Am Mittwoch hatte Andreij Geburtstag. Gleichzeit, ohne dieses zu wissen, hat Andreas seinen vor langer Zeit versprochenen Spätzle-Abend für diesen Tag geplant. Um unseren russischen Freunden die deutsche (in diesem Fall schwäbische) Küche etwas näher zu bringen, sollte es hausgemachte (also selbst geschabte) Spätzle geben, dazu Linsen und Würstchen). Andreij und seine Freundin Anja hatten für den Abend zugesagt und waren dann auch die ersten Gäste. Leider hatten wir mit dem Kochen arg spät angefangen und so mussten sich die beiden noch gedulden. Dafür konnten beide den vollständingen Zubereitungsprozess verfolgen, ist ja auch was :)

Als das Essen dann soweit fertig war, tauchten die noch fehlenden Vitalij und seine Freundin Irina auf; auf die Minute pünktlich zum Essen. Was mir leider entgangen war und erst im Verlauf des folgenden Gespräches zur Sprache kam, war eben Andreijs Geburtstag. Echt doof... eigentlich hätte man sich das schon denken können, als die beiden herausgeputzt und mit einer Flasche Wein und einer Torte durch die Tür kamen. Was soll ich dazu sagen... habs verpeilt (oder gedacht, dass die Mühen uns galten ;))! Dafür gab es Spätzle zum Geburtstag! Na, wenn das nix ist!! Andreij wurde übrigens 24. Es wurde, fast unnötig zu erwähnen, ein sehr amüsanter Abend.

Bis zum heutigen Sonntag ist dann weiter nichts Spannendes passiert. Nach fast 2 Monaten ohne sportliche Betätigung hatte ich mir schon gestern fest vorgenommen, ins Schwimmbad (Бассейн) zu gehen. Gesagt, getan. Heute morgen früh aufgestanden (so um 9) und nach dem Frühstück sofort los. Aber irgendwie habe ich mir das einfacher vorgestellt. Wir, Andi war auch dabei, stehen also vor dem Schwimmbad und sind erstmal über die Bewachung des eingzäunten Territoriums erstaunt. Da stehen also zwei in Militärflecktarn gekleidete Soldaten (?) vor dem Tor und kontrollieren Autofahrer, die auf das Gelände möchten. Als Fußgänger sind wir ohne angehalten zu werden durchgekommen. Nach kurzem Zwiegespräch mit einem in die gleiche Richtung laufenden älteren Herrn fand ich auch heraus, welchen Eingang ich denn nehmen sollte. Zu diesem Schwimmkomplex, wie das größte Schwimmbad in Samara wunderschön an der Wolga gelegen offiziell heißt, gibt es mehrere Eingänge. Es gibt noch einen Eingang zum Freibad, welches zu dieser Zeit, nebenbei erwähnt, auch geöffnet ist. Soweit so gut.

Als wir das Foyer des Schwimmbades betreten, beginnt die erste Irritation. Ich weiß nicht so recht wohin. Ich sehe zwei unterschiedliche Schlangen, eine vor der Garderobe und eine vor irgendeiner Tür. Hmm... OK. Am besten zunächst beobachten und dann das machen, was die anderen auch tun. Also stellen wir uns in der Schlange zur Garderobe an und entledigen uns unserer Jacken. Dann entdecke ich eine Ordnungstafel, auf der geschrieben steht, was die Besucher des Schwimmbades doch zu tun hätten. „Punkt 1: Geben Sie Ihre Jacken an der Garderobe ab.“ Fantastisch, soweit alles richtig gemacht! Dann steht da noch was davon, dass man irgendwo seine Schuhe ausziehen muss, bevor man die Umkleide betreten darf und viele andere Dinge, wie z.B. dass einem im nicht-nüchternen Zustand der Eintritt verwehrt wird. Logisch! Als nächstes würde ich gerne für den Eintritt zahlen, sehe aber keine Kasse und aus der Schwimmordnung werde ich auch nicht schlau. Hmm... ein paar Schritte weiter in das Gebäude gemacht, sehe ich eine Registration (регистрация). Dort kurz nachgefragt, werden wir wieder nach vorne geschickt, um uns in der zweiten Schlange vor der geschlossenen Tür anzustellen. Nun stehen wir also in der Schlange und richtig wohl fühl ich mich nicht. Auf diversen Zetteln vor dieser Tür steht immer etwas von Abbonent (Абонент), was ich als Mehrfachkarte auffasse. Ich will doch nur einmal schwimmen gehen!! Nun gut, ich bin dran. Ich betrete also (einzeln!! - auch darauf wird ausdrücklich hingewiesen) den Raum hinter dieser ominösen Tür und es sieht aus wie in einem stinknormalen Büro mit einer „Sekretärin“ hinter einem Schreibtisch. Der sag ich dann, das ich ins Schwimmbad will. Und nachdem ich bestätige, dass es sich um einen einmaligen Besuch handelt, sagt sie mir „300 Rubel“ (das sind ca. 8.50 €)!! Wow! Ich weiß nicht, was mich in dem Moment mehr erstaunt! Die Höhe des Eintrittspreises oder die Tatsache, dass ich, obwohl erstaunt und etwas schockiert, umgehend die 300 Rubel aus dem Geldbeutel ziehe und bezahle. Aber ich will so ein Schwimmbad ja nicht nur von außen sehen, also raus mit der Kohle! So habe ich die Kasse also doch gefunden!

Nachdem auch Andi den Wucher über sich ergehen lässt, laufen wir wieder zur Registration. Gegen Vorzeigen der Quittung und ein Pfand bekommen wir die Schlüssel für unsere Umkleideschränke. Aussuchen dürfen wir uns unsere Schränke also nicht. OK, kann ich mit leben. Und wir haben in 90min die Schlüssel wieder abzugeben!! Nochmal Wow!!... 300 Rubel für 90 min schwimmen! Na wenn das kein Superschwimmbad ist mit Gratisgetränken und Wellness-Bereich, warmen und parfürmierten Handtüchern und Bademänteln und braungebrannten und durchtrainierten Bademeistern, dann... ja dann... dann weiß ich auch nicht.

Aber zunächst die Umkleiden, hier erstaunen mich zwei Dinge: es gibt keine Umkleidekabinen, was mich aber nicht besonders stört; es gibt eine Putzfrau, die ständig mit ihrem Wischmob durch die Kabine rennt und das Wasser auf dem Boden aufwischt und wenn sie Pause macht, ihren Tee aus einer Thermoskanne schlürft. Weiß nicht, was ich davon halten soll... außer dass es mich irritiert.

Das Schwimmbad an sich, als hätte ich es mir nicht schon denken könne, ist kein Superschwimmbad! Es ist kalt, in der Dusche gab es nur warmes Wasser, es zieht, es gibt nur ein Becken (es ist immerhin ein 50m Becken), das Wasser ist leicht getrübt und es ist voll! Es gibt noch nicht einmal eine Bahn, die für Sportschwimmer abgesteckt ist. Dafür brechen sich auf fast jeder Bahn irgendwelche Senioren beim Brustschwimmen einen ab oder blockieren anderweitig die Bahn. Weil mir im Wasser aber kalt ist, versuche ich mich im Kraulstil warm zu schwimmen. Nach der ersten Bahn und einigen kurvigen Manövern geht es mit der Körpertemperatur hoch, alles in Ordnung. Auf der zweiten Bahn passiert es dann!! Während eines Überholmanövers weiche ich auf die linke Seite der Bahn aus und stoße ungebremst mit einem anderen sportlichen Schwimmer, den ich in diesem Wasser leider nicht gesehen habe, mit dem Kopf zusammen! Bumms! Daraufhin äußert sich der ältere Herr ungefähr mit folgenden Worten in meine Richtung „Was ist denn mit dir los? Bist du total bescheuert!“ (Ты что...? Cовсем юбнутый?!). Leider lässt sich diese Äußerung nicht wortwörtlich übersetzten.. vielleicht auch besser so! Nett war es auf keinen Fall. Ich nehm den Zusammenstoß ja schon auf meine Kappe, aber gleich so ausfällig zu werden... ich weiß nicht. Passt aber in das Bild des ungehobelten Ivans, das sich mir hin und wieder zeigt. Aber es passte irgendwie zu meiner Laune und der Schwimmbadatmospähre. Eigentlich hatte ich schon fast gar keine Lust mehr zu schwimmen, weil man nach 10 m ständig von irgendwem ausgebremst wurde. Glücklicherweise wurde es irgendwann ziemlich schnell ziemlich leer und so konnte ich doch tatsächlich etwas sportlicher schwimmen und kam zu der körperlichen Betätigung, die ich brauchte. Im Endeffekt war aus sportlicher Sicht der Besuch doch ein Erfolg. Aus finanzieller Sicht war es ein Desaster. Ich hatte schon die Befürchtung hier greift man zu Mitteln, wie sie mir in manchen Museen und Theatern, zumindest in St. Petersburg vor 2 Jahren, begegnet sind. Dort gelten für Ausländer aus mir schleierhaften Gründen andere Preise als für Russen, und diese sind dann teilweise bis zu 5 mal so hoch. Beim Herausgehen hab ich doch auf einem der vielen Zettel eine Preisliste ausfindig machen können, auf dem 300 Rubel als der übliche Eintrittspreis für einen Erwachsenen ausgewiesen war.

Mit dem Fotografieren war ich in letzter Zeit leider etwas sparsam, deshalb gibt es hier einen zweiten Eintrag in die Rubrik „Russische Küche“. Блины oder Блинчики (Blinis, Blintschiki), was so viel ist wie dünne, meistens gefüllte Pfannkuchen (in diesem Fall mit Quark (Творог)) oder Crêpes. Manchen stellt sich wahrscheinlich wieder die Frage: „Wer hat's erfunden??“ Darauf habe ich keine Antwort.
















Bis zum nächsten Mal, Auf Wiedersehen! Und das kommt bald, denn meine ersten Reisepläne stehen und es geht auch schon bald wohin! Mehr gibt es in den nächsten Tagen!

Samstag, 1. November 2008

Mmmh.. lecker!

Zum Abschluss der heutigen Posts möchte ich eine neue Rubrik eröffnen: "Russische Küche". Bei Gelegenheit werde ich immer wieder mal ein Foto von den Köstlichkeiten machen, von denen ich mich hier ernähre.
Heute Mittag war ich nicht wirklich in Laune mir etwas aufwendiges zu kochen. Andi ist am Mittwoch für 10 Tage zu seiner Freundin, die gerade auch ein Auslandssemester in Russland macht, in das 2700km (!) entfernte Tomsk gefahren. So war auch niemand anders da, der für mich kochen würde und so griff ich in unser Tiefkühlfach und zauberte mir eine Portion Pelmeni (Пельмени). Pelmeni sind mit Hackfleisch gefüllte Teigtaschen.
Anmerkung: Es sind keine Maultaschen und auch keine Tortellini oder Tortelloni!! Pelmeni!! Damit das auch geklärt ist!

Ca. 250g in kochendes gesalzenes Wasser geben und 8 Minuten kochen lassen. Mit Pfeffer (перец) und Schmand (сметана) verfeinern. Fertig! Und so sah das ganze dann aus: