Donnerstag, 29. Januar 2009

Update Happy New Year 2009!


Wie angekündigt folgen hier die Fotos von unserer Silvesterfeier bei Vitali.

Mittwoch, 14. Januar 2009

Baden im Eisloch („Купаться в проруби“)

mehr Fotos hier

Für hartgesottene Russen ist es eine winterliche Tradition, in zugefrorenen Flüssen zu baden. Dieses Jahr dauerte es bis in den Januar hinein, bis die Wolga „zum Stehen“ kam. Die Tage vor und nach Neujahr waren mit Temperaturen um -20°C dann doch ausreichend kalt, dass es passierte und eine weiße Eis- und Schneeschicht die Wolga bedeckte. Kurz darauf werden auch schon die ersten Eislöcher („Прорубь“) für die Eisschwimmer geschlagen. Im Verlaufe der Jahre hat sich eine kleine Tradition für alle deutschen Austauschstudenten, die in der Winterzeit im Russland sind, entwickelt. Und auch wieder wollten dieser Tradition, zum Teil auch aus eigenem Antrieb, folgen und bei -10°C Außentemperatur und geschätzen 5°C Wassertemperatur schwimmen gehen. Wenn ich „schwimmen gehen“ sage, dann meine ich damit bloß ein rein- und raushüpfen in das Eisloch, denn viel mehr ist einfach nicht zu ertragen. Mit dem Schwimmen im Eisloch härtet man sich gegen die Kälte ab und treibt damit den Blutkreislauf an.
Für Andi, mich und Irina (Vitalijs Freundin) war es das erste Mal und so mussten wir unter Anleitung des Betreibers eines Büdchens, in dem wir uns umziehen konnten, unseren Tauchgang beschreiten. Einige vorbereitende Atemübungen zur Entspannung gehen dem Tauchgang voraus. Daraufhin steigt man eine Holztreppe in das Eisloch hinab und taucht einmal mit dem Kopf ins Wasser und steigt wieder aus. Im Anschluss wieder einige Atemübungen und dann geht es schnell zurück ins Büdchen, um in trockene Kleidung zu schlüpfen.
Ich muss sagen, dass ich mich während der ganzen Prozedur, insbesondere nachdem ich wieder aus dem Wasser gestiegen bin, nicht besonders wohl gefühlt habe, es ist faktisch gesehen einfach arschkalt(!!), und es hat mich schon einiges gekostet hat, den inneren Schweinehund zu überwinden und in das Eisloch zu steigen. Aber einige Zeit später, als die Wärme in Schüben wieder in den Körper strömte, fühlte ich mich umso wohler und konnte das Gefühl wirklich genießen. Eine Fortsetzung dessen ist also nicht ausgeschlossen...

Weihnachten, Neujahr... und noch einmal Weihnachten, Neujahr!

Über die Feiertage wurde es in meinem Blog etwas ruhiger, dafür wurde es bei mir etwas hektischer und so komme ich erst jetzt dazu, zu berichten, was in den letzten Tagen und Wochen passiert ist.

Vorweg wünsche ich allen natürlich ein Frohes Neues Jahr 2009!
С Новым годом! Ich hoffe, ihr habt die Weihnachtstage alle gut verbracht und seid gut ins neue Jahr gestartet!

Wie ihr wahrscheinlich schon gemerkt habt, habe ich diese schöne Zeit des Jahres hier in Samara verbracht und nicht in heimischen Gefilden bei der Familie und im Kreise von Freunden und Bekannten. Einerseits ist das sehr schade, andererseits auch eine neue Erfahrung. Zudem ist Weihnachten in Russland zu verbringen nicht ganz so einfach. Warum nicht? Weil es das hier so nicht gibt. Der einzig wichtige Tag im Dezember ist der 31. Die Weihnachtstage vom 24.-26.12. existieren hier nicht! Die Leute gehen ganz normal zur Arbeit und daheim steht noch nicht ein Tannenbaum! Die wichtigsten zwei Gründe dafür sind folgende:

1.
zu Zeiten der Sowjetunion gab es keine offizielle Religion und somit keine geistlichen Feiertage und damit keine derartige weihnachtliche Tradition, ein Großteil der Russen heute ist immer noch atheistisch.
2.
die Sowjetzeiten sind ja jetzt einige Jahre zurück und es herrscht Religionsfreiheit, der vorherrschende Glaube ist der christlich orthodoxe. In der Auslebung des Glaubens gibt es viele Unterschiede zu dem westlichen katholischen und protestantischen Glauben. Einer dieser Unterschiede ist der Kalendar, nach dem man sich richtet. In dem Fall richtet man sich nach dem Julianischen Kalender, der unserem Gregorianischen Kalender zwei Wochen hinter her ist.

Aus dem Grund findet das Weihnachtsfest in Russland nicht ab dem 24.12. statt, sondern zwei Wochen später, also am 07.01. im neuen Jahr. Entsprechend gibt es auch eine Woche später auch ein zweites neues Jahr, das „alte“ neue Jahr (старый Новый Год).


Dies erklärt, warum für mich am 24.12. und an den folgenden Tagen alles etwas anders war. Um es kurz zu machen... wir haben natürlich auf keines unserer traditionellen Riten verzichtet. Andi und ich haben uns einen Tannenbaum gekauft, der zwar nur ca. 30cm hoch und künstlich ist, aber der Wille zählt. Am 21.12. bekam Andi dann Besuch von seiner ganzen Familie und so war zumindest eine Familie komplett. Und ich habe mich dem einfach angeschlossen :). So kam doch etwas Heimatgefühl auf. Bei Familie Mezger stand natürlich einiges auf dem Programm und so waren wir (die meiste Zeit bin ich mitgelaufen) die folgenden Tage alle viel beschäftigt und viel unterwegs. Am 25.12. sollte es für alle außer mir dann noch weiter nach Moskau gehen, von wo aus der Rest der Familie wieder nach Deutschland fliegen sollte.


Und am Abend des 25.12., nachdem ich alle am Bahnhof Richtung Hauptstadt verabschiedet hatte, habe ich es noch pünktlich zum Weihnachtsgottesdienst in der evangelisch-lutheranischen Kirche („
Кирха“) geschafft. Der Ablauf des Gottesdienstes war größtenteils so wie ich das auch aus Deutschland kenne und zu meiner Verwunderung waren die ausgeteilten Liederzettel zweisprachig, auf deutsch und auf russisch. So konnte ich ohne große Probleme die Lieder auf deutsch mitsummen ;) Im Anschluss gab es noch ein klassisches Musikkonzert, was mich sehr beeindruckte und was ich zur Entspannung und zum Gedankensammeln nutzte. Nach zwei Stunden Gottesdienst und Konzert habe ich mich auf den Weg nach Hause gemacht und mein Weihnachtsfest ausklingen lassen.

Neujahr („
Новый Год“) ist mit Abstand das größte und bedeutenste Fest in Russland. Die Art wie das hier gefeiert wird, erinnert aber eher an unser Weihnachtsfest... Weihnachtsmänner oder Väterchen Frost („Дед мороз“), Geschenke am Abend vor der wichtigsten Nacht des Jahres und der Tannenbaum. Väterchen Frost kommt hier aber nicht alleine, sondern hat stets seine hübsche Enkelin Snegurotschka („Снегурочка“) an seiner Seite.

Die Nacht der Nächte fand im Kreise unserer neugewonnenen russischen Freunde bei Vitalij statt. Aufgetischt wurden die traditionellen russischen Neujahrssalate (Olivier- und Krabbensalat), dazu noch Brathänchen, Kartoffeln, Obst, Vodka etc. Andi und ich haben von unserer Seite noch 3l Glühwein und eine Mousse au chocolat beigesteuert, was sehr positiv aufgenommen und mit Genuss verspeist wurde.


Um 12 Uhr wurde eine Flasche russischer Sekt („
Шампанское“, Schampanskoje) geköpft und geimeinsam angestoßen. Im Fernsehen lief eine kurze Neujahrsansprache vom russischen („Pseudo-“)Präsidenten Dimitrij Vladimirowitsch Medwedjew und dann ging es weiter mit Essen und Trinken. Um 1 Uhr haben wir uns eine weiteres Mal vom Tisch erhoben und zusammen mit Moskau, das einen Zeitunterschied zu Samara von einer Stunde hat, bei einer weiteren Flasche Schampanskoje das neue Jahr empfangen. Im Fernsehen lief die gleiche Ansprache wie eine Stunde zuvor... Anschließend sind wir nach draußen und... tja... eigentlich hatten wir ein bisschen Feuerwerk erwartet, aber leider war nix los und wir mit unseren Wunderkerzen und Vitalij mit seiner Ziehharmonika die einzigen, die sich bei Eiseskälte auf die Straße getraut hatten. Das hat uns die Laune aber nicht im geringsten genommen. Ein großes Feuerwerk im Stadtzentrum für 2.30 Uhr war angekündigt, aber das fand ohne uns statt. Einige Zeit konnten wir uns noch mit Glühwein wärmen, doch irgendwann musste wir uns der Kälte beugen und haben im Warmen weitergefeiert. Und so endete die Neujahrsnacht für manche eher, für manche später.. für mich war um 8 Uhr morgens, als Andi und ich wieder zu Fuß daheim angekommen waren, Schluss und eine lustige Nacht damit vorbei.

Weihnachten und Neujahr sollten sich zwei Wochen später wiederholen (nach dem Julianischen Kalender), aber die Euphorie ist da bei weitem nicht so groß und für manche nur ein Grund wieder eine Flasche aufzumachen. Für mich haben diese Tage keinerlei Bedeutung und entsprechend wenig Aufregendes ist da passiert.


Leider kann ich an dieser Stelle noch mit keinen Fotos dienen, aber das wird nachgeholt.