Montag, 15. Dezember 2008

Typisch Russisch: Schnee, Natur genießen und Schaschlick (Снег, природа и шашлык)

Gestern durften Andi und ich zum ersten Mal etwas Natur genießen und sind mit Nastia (Настя), eine weitere CS Bekanntschaft aus Samara, und ihren Freunden Alla (Алла) und Alexei (Леша) aus Samara herausgefahren und sind die schönsten Aussichtpunkte entlang der Wolga angefahren. Mittlerweile hat es in Samara geschneit, zwar nur ein Mal, aber bislang liegt der Schnee noch. Es ist also weiß! Lange lange musste ich warten. Ich finde es ja selbst erschreckend, dass es kaum schneit. Während Deutschland in den letzten Wochen teilweise im Schnee versank, saßen wir hier auf dem Trockenen oder im nassen Dreck :( Aber bald müsste es richtig losgehen, mit richtig viel Schnee und zweistelligen Minusgraden!! Wie man das von einem russischen Winter eigentlich erwarten könnte... naja, der Klimawandel!
Auch die bereits sehr niedrigen Temperaturen hielten uns nicht davon ab, rauszufahren. Unsere Ziele waren die Вертолетка (ein ehemaliger sowjetischer Hubschrauberlandeplatz mit schönem Blick auf einige Wolgainseln und das umliegende Zhygulevski Gebirge) und Zarev Kurgan (Царев Курган), ein weiterer erhobener Aussichtspunkt mit Sicht auf den Sok (Сок), ein Wolga-Zufluss, und die Wolga selbst. Im Windschatten des Zarev Kurgan haben wir dann kurzerhand unseren Schaschlickgrill ausgepackt und lecker gegrillt. Das Schaschlick haben wir mit halbtrockenem russischen Rotwein runtergespült. Mmmh... sehr lecker! Da war von der Kälte auch nichts mehr zu spüren.
Irgendwann wurde es aber auch dunkel, das passiert ja jetzt immer eher, und wir mussten leider wieder den Heimweg antreten, und unseren Ausflug beenden. Einen Stopp zum Aufwärmen bei Tee und Blinis gab es noch bei uns und dann war der Sonntag auch schon gelaufen.

Hier noch eine kleine Auswahl an Fotomaterial, den Rest findet ihr in der Galerie.

Blick vom Zarev Kurgan auf den Sok


Unser Grillplatz


Schaschlick

Freitag, 12. Dezember 2008

Mehr Bilder

Für alle, die mehr Bilder als Text sehen wollen, habe ich eine Galerie eingerichtet. Einfach auf den Link in der rechten Leiste klicken.

Kasan Reisebericht


Mit etwas Verspätung kommt hier mein Reisebericht zu Kasan:

Am Freitagmorgen vor einer Woche bin ich mit dem Bus nach Kasan aufgebrochen, um mir diesen Exot in Russland anzuschauen. Wieso Exot? Ich hatte es im Eintrag zuvor schon angedeutet, Kazan ist die Hauptstadt der autonomen Republik Tatarstan und genießt einige Privilegien. Die steuerlichen Abgaben Tatarstans an Moskau sind niedriger als für andere Gebiete, Tatarstan hat einen eigenen Präsidenten und neben Russisch auch einen zweite eigene Amtsprache: Tatarisch. Die Mehrheit der Bevölkerung ist islamisch, was sich auch im Stadtbild deutlich zeigt. Zudem verfügt Tatarstan über Ölverkommen, was sich auch wieder im Stadtbild Kazans sichtbar wird. Alles das war für mich Grund genug, den Weg auf mich zu nehmen.

Um 09.05 Uhr sollte es also losgehen, leider fanden sich nicht genug Mitfahrer für diesen Termin und so wurde diese Reise gestrichen. So musste ich einen Stunde warten, bis ich mit dem nächsten Bus aufbrechen konnte.

Kurz hinter den äußeren Stadtgrenzen Samaras durfte ich schon ins weite Nix blicken. Nur einige Straßen schlängelten sich durch die russische Landschaft, nie außer Sichtweite die Wolga, Europas längster Fluss. Vereinzelt tauchten hin und wieder dann kleine Städte und Dörfer auf, in denen wir Halt machten. Der Unterschied zwischen Stadt und Land ist schon sehr deutlich. Auf den ersten Eindruck erscheint mir das Leben auf dem Land um einiges einfacher, was natürlich nicht verwunderlich ist und da kann so ein Reisebus, vor allem so ein topmoderner und klimatisierter wie unser, so manches Aufsehen erregen. So ging es also 450km, nicht 800km, wie ich zunächst dachte, über die Käffer. Als es schon wieder dunkel wurde, kam ich in Kasan an. Einige Zeit später holte mich dann auch Pavel, mein CouchSurfing-Host, mit dem Taxi ab und wir fuhren zu ihm in die Wohnung, wo mir meine Couch gezeigt wurde. Die Sitzpolster zweier Sessel sollten meine Schlafunterlage sein und Kissen und Decke gabs auch. Super! Der Abend war noch jung, so dass noch Zeit für einige Unternehmungen war. Und wie es der Zufall so wollte, so hatte Marat, ein Freund Pavels, ebenfalls CouchSurfing Besuch. Elisa aus Mailand und Andrea aus Wien, die beide in Moskau für ein Semester studieren, hatten sich für den gleichen Zeitraum nach Kasan aufgemacht. Sogleich war ein gemeinsames Treffen organisiert. Bis zum Treffen hatten Pavel und ich allerdings noch etwas Zeit und so zeigte er mir noch schnell den Kasaner Kreml, die große Moschee und erzählte mir einiges über Kasan und einige seiner wichtigen Gebäude.

Das einzige Bild des ersten Tages: die Kul-Scharif-Moschee bei Nacht

Anschließend trafen wir uns alle beim Italiener zum Abendessen. Es war ein guter Italiener, was unsere persönliche Fachfrau bestätigen konnte. Die ganze Situation war sehr witzig, denn es saßen fünf Leute am Tisch, die sich bis auf Pavel und Marat quasi fremd waren und aßen gemeinsam zu Abend. Was noch viel witzig war, das ganze Wochenende wurde Russisch gesprochen, auch wenn ich mich mit Andrea und Elisa, die in Berlin studiert und damit fließend Deutsch spricht, auch auf Deutsch hätte unterhalten können. Aber die beiden bestanden darauf, Russisch zu sprechen und so blieb es dabei. Da staunten auch die anderen nicht schlecht :) Für den nächsten Tag hatten wir uns für eine gemeinsame Stadtbesichtigung verabredet und so endete der Abend schon bald.

Unsere Hosts: Marat links und Pavel rechts

Die drei CouchSurfer: Andrea (AUT), Elisa (ITA), ich (GER)

Meine erste Nacht als CouchSurfer war super! Nach einem stärkenden Frühstück gings also auf Erkundungstour. Schaut Euch die Bilder an, die fassen das besser und vor allem kürzer zusammen (unter Samara Galerie, Link auf der rechten Seite).


kleines Gruppenbild mit Marat und Elisa

Gegen Abend musste Pavel mich dann leider zurücklassen, weil seine Bank, in der er arbeitet, ihr 15 jähriges Jubliäum feierte. So blieb Marat also mit 3 CouchSurfern zurück. Zu Mittag gab es usbekische Küche im tatarischen Viertel Kazans! Bei mir gabs es Lagman (Nudeln mit einer scharfen Gemüse- und Fleischsoße) und Schaschlik! Sehr lecker! Weil wir eigentlich schon viel gesehen hatten, den Mädels die Füße weh taten und Marat auch keinen Bock mehr hatte, sind wir auf zu Marat heim, um uns auszuruhen und den weiteren Abend zu planen.

Spaziergang am Ufer der Kasanka, ein Zufluss der Wolga

Marat bewohnt ein Zimmer in einer 3-Zimmerwohnung, die er mit einer tatarischen Babuschka teilt und noch einer tatarischen Dame. Die Babuschka durften wir auch bald kennenlernen – eine sehr fröhliche und liebe Frau, die von so viel Besuch begeistert war und uns ständig alles Gute und viel Spaß gewünscht hat. Und den hatten wir dann... auf Marats PC fand sich ein Karaoke-Programm und neben einigen russischen auch westlichen Klassiker der 90er. Das Thema des Abends war damit klar. Keine Kasaner Diskotheken oder Nachtclubs. Karaoke bis zum Abwinken! Super! Irgendwann tauchte dann noch ein Freund von Marat aus Südkorea auf und gesellte sich zu uns. Sein Russisch war allerdings mangelhaft und er konnte sich kaum mitteilen, stattdessen saß er im Sessel und kippte ein Dosenbier nach dem nächsten :) Noch etwas später fand dann auch Pavel torkelnder Weise den Weg zu uns. So nahm der Abend dann seinen Lauf und endete um 2 Uhr nachts irgendwann daheim.

Gruppenbild mit Babuschka

Für den nächsten, und meinen letzten Tag, hatte Pavel noch etwas spezielles vorbereitet: Botschki (Бочки), was einfach nur „Fässer“ bedeutet! Zum Entspannen und für das etwas andere Banja (Dampfbad)-Erlebnis hatten wir uns für eine Behandlung in einem medizinischen Sanatorium angemeldet. Nach der vorherigen Nacht sicherlich nicht die schlechteste Idee. Auf dem Programm standen ein Dampfbad im Fass und anschließend eine Massage. Großartig!

Kurz zum Prozedere: man setzt sich also in so ein großes Fass, so dass nur noch der Kopf rausguckt. In das Fass wird Dampf hineingeblasen, der mit einem besonders heilenden Kraut aus der Region um Khanty Mansysk (Sibirien) versetzt ist. Dieses Dampfbad dauert dann 15min , anschließend wickelt man sich in eine Decke und legt sich für einige Zeit zur Ruhe. Dazu wird Tee aus den gleichen Kräutern serviert. Zum Abschluss noch eine Massage. So verbrachten wir also noch einmal 2 Stunden.

Botschka (Бочка)

Und das war auch schon fast der Abschluss meines Besuchs in Kasan. Wir trafen uns noch kurz mit Marat, Andrea und Elisa und ich verabschiedete mich in Richtung Bahnhof. Vor mir stand eine zwölfstündige Zugfahrt mit dem Nachtzug von Kasan nach Samara. Der Zug war voll mit Soldaten, die auf dem Weg zurück in ihre Kaserne waren. Man hatte mich schon vorgewarnt, dass wenn Soldaten im Zug fahren, es in der Regel sehr feuchtfröhlich und laut zugeht. Ich hatte Glück, die Zugfahrt war ruhig und da es ohnehin schnell dunkel wurde, fielen mir bald die Augen zu und ich schlief bis zu meiner Ankunft in Samara. Bei Ankunft am Montagmorgen war es ca. 06.00 Uhr Ortszeit. Die ersten Busse fuhren wieder. Andi hatte sich aus dem Bett gequält und empfing mich am Bahnhof. Wieder daheim angekommen ging es nach dem Frühstück auch schon wieder auf Arbeit - ein schwerer Gang in den Alltag, nach all dem, was am Wochenende passiert war...

Kul-Scharif-Moschee bei Tag

Zusammenfassend muss ich sagen, dass ich mir eine solche Fahrt nicht hätte träumen lassen. Ich bin ohne Komplikationen hin und zurück gekommen, hatte einen großartigen Host und Stadtführer in einer mir völlig fremden Stadt und habe interessante Leute kennengelernt. Ob es einmalige Bekanntschaften bleiben oder ob es doch vielleicht irgendwann ein Wiedersehen gibt, bleibt abzuwarten. Aber weil Moskau bei mir noch als Reiseziel auf dem Reiseplan steht, könnte es zumindest zu einem Treffen mit Andrea und Elisa kommen. Schön wäre es. Viel besser könnte eine Premiere als CouchSurfer nicht sein!

Donnerstag, 27. November 2008

CouchSurfing Kasan!

Nach meiner Ankunft vor fast zwei Monaten werde ich morgen (endlich) zum ersten Mal Samara verlassen, in der Hoffnung mehr von diesem Land zu sehen. Nebenbei werde ich zum ersten Mal bei einem Couchsurfer einquartieren, wobei wir schon beim Thema sind.
Wer CouchSurfing noch nicht kennt, hier eine kurze Info:
Das CouchSurfing Project ist eine Art Internet-Community, in der es Leuten ermöglicht wird, anderen (fremden) Leuten - in der Regel Kurzurlauber oder Durchreisende - z.B. für eine kurze Dauer von einigen Tagen ein Dach über dem Kopf bzw. eine Couch für die Nacht anzubieten und natürlich auch in Anspruch zu nehmen und dabei Leute aus der Stadt, die man gerade besucht, kennenzulernen. Je nach dem, ob die Person, bei der man unterkommt, etwas Zeit zur Verfügung hat, kann man sich von demjenigen auch die Stadt zeigen zu lassen. Das Project zählt fast eine Million Mitglieder auf der ganzen Welt. Wer mehr wissen will, hier der Link, den ich ja schon einmal gepostet habe:
























Ich habe für zwei Nächte eine Couch in Kasan gefunden, und werde mich morgen früh um 09.05 Uhr mit dem Bus in Richtung der Hauptstadt Tartastans begeben, wo mich dann Pavel abends erwartet. Ich schätze, das sind 800-900 km, also schon ein Stück. Montag früh komme ich mit einem Nachtzug hoffentlich wieder heil an und mit einer Menge Fotos und Geschichten von Kazan und den Fahrten, gerade in den Zügen soll es bei längeren Strecken sehr fröhlich zugehen :)
Hier noch ein paar Impression von Kazan, die ich auf die Schnelle im Internet gefunden habe:

















Für alle Fußballinteressierten, hier noch eine Info: Rubin Kasan ist in diesem Jahr zum ersten Mal Russischer Meister geworden!! (Hmm.. interessiert wahrscheinlich eh keinen!)





























Viel mehr zu Kasan, zu meinem CouchSurfing Erlebnis und eigene Bilder gibt es dann nächste Woche.

До свидания,
Рома

Sonntag, 23. November 2008

Am Sonntag ins Schwimmbad (В воскресенье в бассейн)





















Und wieder ist eine Woche um, und ich warte immer noch auf den ersten russischen Schnee, der liegen bleibt. An zwei Tagen ist ein bisschen was vom Himmel gefallen, aber weiß hat es die Straßen nicht gefärbt. Der übliche Dreck auf der Straße ist also nach wie vor sichtbar. Und die heutige strahlende Sonne weist auch nicht gerade auf baldigen Schnee hin. Aber mit dem Wetter weiß man das hier nie so genau.

Hier die Wochenzusammenfassung:

Am Mittwoch hatte Andreij Geburtstag. Gleichzeit, ohne dieses zu wissen, hat Andreas seinen vor langer Zeit versprochenen Spätzle-Abend für diesen Tag geplant. Um unseren russischen Freunden die deutsche (in diesem Fall schwäbische) Küche etwas näher zu bringen, sollte es hausgemachte (also selbst geschabte) Spätzle geben, dazu Linsen und Würstchen). Andreij und seine Freundin Anja hatten für den Abend zugesagt und waren dann auch die ersten Gäste. Leider hatten wir mit dem Kochen arg spät angefangen und so mussten sich die beiden noch gedulden. Dafür konnten beide den vollständingen Zubereitungsprozess verfolgen, ist ja auch was :)

Als das Essen dann soweit fertig war, tauchten die noch fehlenden Vitalij und seine Freundin Irina auf; auf die Minute pünktlich zum Essen. Was mir leider entgangen war und erst im Verlauf des folgenden Gespräches zur Sprache kam, war eben Andreijs Geburtstag. Echt doof... eigentlich hätte man sich das schon denken können, als die beiden herausgeputzt und mit einer Flasche Wein und einer Torte durch die Tür kamen. Was soll ich dazu sagen... habs verpeilt (oder gedacht, dass die Mühen uns galten ;))! Dafür gab es Spätzle zum Geburtstag! Na, wenn das nix ist!! Andreij wurde übrigens 24. Es wurde, fast unnötig zu erwähnen, ein sehr amüsanter Abend.

Bis zum heutigen Sonntag ist dann weiter nichts Spannendes passiert. Nach fast 2 Monaten ohne sportliche Betätigung hatte ich mir schon gestern fest vorgenommen, ins Schwimmbad (Бассейн) zu gehen. Gesagt, getan. Heute morgen früh aufgestanden (so um 9) und nach dem Frühstück sofort los. Aber irgendwie habe ich mir das einfacher vorgestellt. Wir, Andi war auch dabei, stehen also vor dem Schwimmbad und sind erstmal über die Bewachung des eingzäunten Territoriums erstaunt. Da stehen also zwei in Militärflecktarn gekleidete Soldaten (?) vor dem Tor und kontrollieren Autofahrer, die auf das Gelände möchten. Als Fußgänger sind wir ohne angehalten zu werden durchgekommen. Nach kurzem Zwiegespräch mit einem in die gleiche Richtung laufenden älteren Herrn fand ich auch heraus, welchen Eingang ich denn nehmen sollte. Zu diesem Schwimmkomplex, wie das größte Schwimmbad in Samara wunderschön an der Wolga gelegen offiziell heißt, gibt es mehrere Eingänge. Es gibt noch einen Eingang zum Freibad, welches zu dieser Zeit, nebenbei erwähnt, auch geöffnet ist. Soweit so gut.

Als wir das Foyer des Schwimmbades betreten, beginnt die erste Irritation. Ich weiß nicht so recht wohin. Ich sehe zwei unterschiedliche Schlangen, eine vor der Garderobe und eine vor irgendeiner Tür. Hmm... OK. Am besten zunächst beobachten und dann das machen, was die anderen auch tun. Also stellen wir uns in der Schlange zur Garderobe an und entledigen uns unserer Jacken. Dann entdecke ich eine Ordnungstafel, auf der geschrieben steht, was die Besucher des Schwimmbades doch zu tun hätten. „Punkt 1: Geben Sie Ihre Jacken an der Garderobe ab.“ Fantastisch, soweit alles richtig gemacht! Dann steht da noch was davon, dass man irgendwo seine Schuhe ausziehen muss, bevor man die Umkleide betreten darf und viele andere Dinge, wie z.B. dass einem im nicht-nüchternen Zustand der Eintritt verwehrt wird. Logisch! Als nächstes würde ich gerne für den Eintritt zahlen, sehe aber keine Kasse und aus der Schwimmordnung werde ich auch nicht schlau. Hmm... ein paar Schritte weiter in das Gebäude gemacht, sehe ich eine Registration (регистрация). Dort kurz nachgefragt, werden wir wieder nach vorne geschickt, um uns in der zweiten Schlange vor der geschlossenen Tür anzustellen. Nun stehen wir also in der Schlange und richtig wohl fühl ich mich nicht. Auf diversen Zetteln vor dieser Tür steht immer etwas von Abbonent (Абонент), was ich als Mehrfachkarte auffasse. Ich will doch nur einmal schwimmen gehen!! Nun gut, ich bin dran. Ich betrete also (einzeln!! - auch darauf wird ausdrücklich hingewiesen) den Raum hinter dieser ominösen Tür und es sieht aus wie in einem stinknormalen Büro mit einer „Sekretärin“ hinter einem Schreibtisch. Der sag ich dann, das ich ins Schwimmbad will. Und nachdem ich bestätige, dass es sich um einen einmaligen Besuch handelt, sagt sie mir „300 Rubel“ (das sind ca. 8.50 €)!! Wow! Ich weiß nicht, was mich in dem Moment mehr erstaunt! Die Höhe des Eintrittspreises oder die Tatsache, dass ich, obwohl erstaunt und etwas schockiert, umgehend die 300 Rubel aus dem Geldbeutel ziehe und bezahle. Aber ich will so ein Schwimmbad ja nicht nur von außen sehen, also raus mit der Kohle! So habe ich die Kasse also doch gefunden!

Nachdem auch Andi den Wucher über sich ergehen lässt, laufen wir wieder zur Registration. Gegen Vorzeigen der Quittung und ein Pfand bekommen wir die Schlüssel für unsere Umkleideschränke. Aussuchen dürfen wir uns unsere Schränke also nicht. OK, kann ich mit leben. Und wir haben in 90min die Schlüssel wieder abzugeben!! Nochmal Wow!!... 300 Rubel für 90 min schwimmen! Na wenn das kein Superschwimmbad ist mit Gratisgetränken und Wellness-Bereich, warmen und parfürmierten Handtüchern und Bademänteln und braungebrannten und durchtrainierten Bademeistern, dann... ja dann... dann weiß ich auch nicht.

Aber zunächst die Umkleiden, hier erstaunen mich zwei Dinge: es gibt keine Umkleidekabinen, was mich aber nicht besonders stört; es gibt eine Putzfrau, die ständig mit ihrem Wischmob durch die Kabine rennt und das Wasser auf dem Boden aufwischt und wenn sie Pause macht, ihren Tee aus einer Thermoskanne schlürft. Weiß nicht, was ich davon halten soll... außer dass es mich irritiert.

Das Schwimmbad an sich, als hätte ich es mir nicht schon denken könne, ist kein Superschwimmbad! Es ist kalt, in der Dusche gab es nur warmes Wasser, es zieht, es gibt nur ein Becken (es ist immerhin ein 50m Becken), das Wasser ist leicht getrübt und es ist voll! Es gibt noch nicht einmal eine Bahn, die für Sportschwimmer abgesteckt ist. Dafür brechen sich auf fast jeder Bahn irgendwelche Senioren beim Brustschwimmen einen ab oder blockieren anderweitig die Bahn. Weil mir im Wasser aber kalt ist, versuche ich mich im Kraulstil warm zu schwimmen. Nach der ersten Bahn und einigen kurvigen Manövern geht es mit der Körpertemperatur hoch, alles in Ordnung. Auf der zweiten Bahn passiert es dann!! Während eines Überholmanövers weiche ich auf die linke Seite der Bahn aus und stoße ungebremst mit einem anderen sportlichen Schwimmer, den ich in diesem Wasser leider nicht gesehen habe, mit dem Kopf zusammen! Bumms! Daraufhin äußert sich der ältere Herr ungefähr mit folgenden Worten in meine Richtung „Was ist denn mit dir los? Bist du total bescheuert!“ (Ты что...? Cовсем юбнутый?!). Leider lässt sich diese Äußerung nicht wortwörtlich übersetzten.. vielleicht auch besser so! Nett war es auf keinen Fall. Ich nehm den Zusammenstoß ja schon auf meine Kappe, aber gleich so ausfällig zu werden... ich weiß nicht. Passt aber in das Bild des ungehobelten Ivans, das sich mir hin und wieder zeigt. Aber es passte irgendwie zu meiner Laune und der Schwimmbadatmospähre. Eigentlich hatte ich schon fast gar keine Lust mehr zu schwimmen, weil man nach 10 m ständig von irgendwem ausgebremst wurde. Glücklicherweise wurde es irgendwann ziemlich schnell ziemlich leer und so konnte ich doch tatsächlich etwas sportlicher schwimmen und kam zu der körperlichen Betätigung, die ich brauchte. Im Endeffekt war aus sportlicher Sicht der Besuch doch ein Erfolg. Aus finanzieller Sicht war es ein Desaster. Ich hatte schon die Befürchtung hier greift man zu Mitteln, wie sie mir in manchen Museen und Theatern, zumindest in St. Petersburg vor 2 Jahren, begegnet sind. Dort gelten für Ausländer aus mir schleierhaften Gründen andere Preise als für Russen, und diese sind dann teilweise bis zu 5 mal so hoch. Beim Herausgehen hab ich doch auf einem der vielen Zettel eine Preisliste ausfindig machen können, auf dem 300 Rubel als der übliche Eintrittspreis für einen Erwachsenen ausgewiesen war.

Mit dem Fotografieren war ich in letzter Zeit leider etwas sparsam, deshalb gibt es hier einen zweiten Eintrag in die Rubrik „Russische Küche“. Блины oder Блинчики (Blinis, Blintschiki), was so viel ist wie dünne, meistens gefüllte Pfannkuchen (in diesem Fall mit Quark (Творог)) oder Crêpes. Manchen stellt sich wahrscheinlich wieder die Frage: „Wer hat's erfunden??“ Darauf habe ich keine Antwort.
















Bis zum nächsten Mal, Auf Wiedersehen! Und das kommt bald, denn meine ersten Reisepläne stehen und es geht auch schon bald wohin! Mehr gibt es in den nächsten Tagen!

Samstag, 15. November 2008

Alltag

Samarskaya Ploschad' (Самарская площадь с видом на Вольгу)


Привет (Privet),
nach 2 Wochen Stille melde ich mich hier mal wieder. Viel aufregendes ist in der Tat nicht passiert. Es ist Alltag eingekehrt. Das Wetter hält noch, aber manchmal klopft der Winter mit Temperaturen um die 0° C schon an.
Die letzte Zeit habe ich beinahe ausnahmslos der Arbeit gewidmet. Leider entpuppt sich die Aufgabe als schwieriger als erwartet. Seit einiger Zeit hängen wir an der Auslegung unseres Triebwerks, viel länger als geplant. Und es wird deutlich, dass eine solche Konfiguration (gegenläufige Turbine + Aftfan) wirtschaftlich und technisch gesehen wenig, wenn nicht gar keinen Sinn macht, aber die Aufgabe steht nun mal. Außerdem soll das Ding ja nicht wirklich fliegen und ist mehr eine Machbarkeitsstudie. Besonders Freude macht die Arbeit da trotzdem nicht. Mittlerweile sind wir aber an dem lang ersehnten Punkt angekommen, dass wir die CAD Maschinen anschmeißen und endlich sichtbare Resultate produzieren können.
Andi ist letzte Woche von seinem Ausflug nach Tomsk zurückgekommen. Nach seinen Erzählungen habe ich große Lust bekommen, auch mal meine Sachen zu packen und für ein paar Tage den Schauplatz zu wechseln. Als erstes Ziel habe ich mir Kasan ausgesucht. Wie ich das zeitlich und mit einer Unterkunft geregelt bekomme, weiß ich noch nicht, aber www.couchsurfing.com eröffnet da viele viele Möglichkeiten.
Aber dass Samara auch einiges zu bieten hat, will ich mit den folgenden Fotos beweisen und verabschiede mich damit bis zum nächsten Mal:









































































































Samstag, 1. November 2008

Mmmh.. lecker!

Zum Abschluss der heutigen Posts möchte ich eine neue Rubrik eröffnen: "Russische Küche". Bei Gelegenheit werde ich immer wieder mal ein Foto von den Köstlichkeiten machen, von denen ich mich hier ernähre.
Heute Mittag war ich nicht wirklich in Laune mir etwas aufwendiges zu kochen. Andi ist am Mittwoch für 10 Tage zu seiner Freundin, die gerade auch ein Auslandssemester in Russland macht, in das 2700km (!) entfernte Tomsk gefahren. So war auch niemand anders da, der für mich kochen würde und so griff ich in unser Tiefkühlfach und zauberte mir eine Portion Pelmeni (Пельмени). Pelmeni sind mit Hackfleisch gefüllte Teigtaschen.
Anmerkung: Es sind keine Maultaschen und auch keine Tortellini oder Tortelloni!! Pelmeni!! Damit das auch geklärt ist!

Ca. 250g in kochendes gesalzenes Wasser geben und 8 Minuten kochen lassen. Mit Pfeffer (перец) und Schmand (сметана) verfeinern. Fertig! Und so sah das ganze dann aus:


Wenn es Abend wird...

Ich muss feststellen, dass ich von eisigen Temperaturen oder Regen und Gewittern bislang verschont geblieben bin. Mitunter wird es abends wirklich noch sehr schön. So sah es am letzten Sonntag an der Wolga aus:

Arbeitsplatz

Hier will ich mal ein paar Zeilen meiner Arbeit und meinem Arbeitsplatz gönnen. Mein Arbeitsplatz ist recht schnell mit dem Foto hier beschrieben. Andi und ich teilen uns mit Dmitri Konstantinovitch Novikov (Дмитри Константинович Новиков) sein(!) Büro oder Kabinet (кабинет), wie man das hier so schön sagt. Außer meinem Laptop und einem zuätzlichen Rechner, auf dem CAD-Systeme installiert sind, habe ich nix weiter. In dem Schreibtisch habe ich noch ein Fach, das ich benutzen darf. Ein paar Bücher (u.a. auch russische, die, wie ich finde, ausgezeichnet für das Studium sind) und das Internet zählen zu den Quellen, die wir für unsere Arbeit zur Verfügung haben. Internet am Arbeitsplatz haben wir allerdings nicht, dazu müssen wir immer in einen anderen Raum, aber das hatte ich ja schon beschrieben. Etwas umständlich ist das Drucken hier. Drucken scheint hier entweder nicht besonders verbreitet zu sein, oder man empfindet ausgedrucktes Material als besonders wertvoll. Jedenfalls muss ich immer, wenn ich mir etwas ausdrucken lassen will, in irgendwelche Computerräume rennen, wo Drucker installiert. Dort sitzt dann ein weiblicher Computeradministrator und der druckt mir dann für 2 Rubel pro Seite (ca. 5 Cent pro Seite) meine Unterlagen aus. Etwas umständlich das ganze! Als Institutsangehöriger, als solcher sehe ich mich zumindest ein wenig, hätte ich gedacht, ich müsste nichts für Ausdrücke bezahlen, aber naja...

Also hier sitzen Andi (sein Schreibtisch ist hinten links) und ich (vorne) und basteln an unserem "Gegenläufigen Turbinenmodul". Ich fasse mal das Thema kurz zusammen. Auf Basis eines Triebwerks aus den 60er-Jahren, das mit einem sogenannten Aft-Fan ausgestattet ist, sollen wir ein neuartiges Turbinenmodul auslegen und konstruieren. Ein Aft-Fan ist ein Bläser, der nicht wie heute üblich direkt vorne am Triebwerkseingang sitzt und Luft durch das Triebwerk schaufelt, sondern hinten auf der Niederdruckturbinenstufe angebracht ist. Diese Niederdruckturbinenstufe ist frei gelagert, d.h. sie besitzt keine direkte Verbindung zu einer Verdichterstufe vor der Brennkammer (der Bläser (Fan) sitzt in dem Fall ja schon auf der Turbine drauf). Beide Turbinen (Hoch- und Niederdruckturbine) drehen in die gleiche Richtung. Unsere Aufgabe ist es das Triebwerk so umzugestalten, dass es mit weniger Teilen auskommt und dabei gegenläufige Turbinen verwendet (engl. "counterrotating turbine"), d.h. die Hochdruckturbine dreht dann z.B. rechtsrum und die Niederdruckturbine linksrum. Eine zusätzliche Schwierigkeit der Aufgabe ist, dass es zwischen den beiden Turbinenstufen kein Leitrad gibt, dass die Strömung aus der Hochdruckturbine optimal auf die Niederdruckturbine umlenkt. Das Ergebnis unserer Arbeit soll ein komplett berechnetes und entworfenes Turbinenmodell sein, dass genau das verwirklicht! Im Vordergrund steht dabei nicht, neue Triebwerkskonzepte zu entwerfen, sondern eine konstruktive Verwirklichung einer gegenläufigen Turbine.
Wer bis hierhin nur Bahnhof verstanden hat oder den technischen Teil ganz ausgelassen hat, weil er sowieso nichts von Triebwerken versteht oder verstehen will, dem seien folgende Links an Herz gelegt: Gasturbine, Aft-fan

Mittwoch, 29. Oktober 2008

Marmor, Stein und Eisen bricht...

"Marmor, Stein und Eisen bricht..." dieses Lied hat es unseren Freunden hier wirklich angetan! Nein... kein "Du hast!" von Rammstein, keine im "Monsun" verirrten Teenager oder andere Giganten der deutschen Musikkultur bringen die Massen zum Schreien, es ist Drafi Deutscher, der das Volk hier begeistert!

Mittlerweile wird aus Tradition bei jedem Treffen, wenn eine Gitarre in der Nähe ist, zumindest einmal gesungen. Die Akkorde dazu hat sich Vitalij aus einem Musikfile abgehört und sich selbst beigebracht... Respekt! Seitdem gehört es halt immer dazu! Sehr witzig!

Auch auf unserer Einweihungsfeier durfte es natürlich nicht fehlen! Ausgestattet mit Liedtext und geölter Stimme wurde drauf los geträllert. Viel Spaß mit dem Video!

Schaut euch unbedingt den Schluss an, wenn Vitalij sein Solo gibt! Ein Wunder, dass die Gitarre heil geblieben ist ;)!

Montag, 27. Oktober 2008

Wohnungssituation

Nun bin ich schon gute vier Wochen hier und habe eigentlich noch nicht viel davon erzählt, wie wir hier leben, außer dass Andi und ich uns im Wohnheim ein Zimmer geteilt haben.
Von Anfang an war geplant, dass wir uns, sobald auch ich in Samara bin, eine Wohnung mieten wollten. Bis zu meiner Ankunft hatte Andi auch mit Hilfe der Uniangestellten versucht, etwas zu bekommen, aber nie wirklich erfolgreich. Wer glaubt, in Russland mal eben schnell eine günstige Wohnung finden zu können, der irrt gewaltig. Preismäßig ist das hier schon unteres Stuttgarter Preisniveau (ca. 200 € für ein Zimmer ist hier die untere Grenze), nach oben gibt es wie of keine Grenzen.

Die Wohnungssituation im Wohnheim lässt sich in Bilder folgendermaßen beschreiben:







































Ich glaube an Text ist dem nicht viel mehr zuzufügen! Unschlagbar an dem Wohnheim ist allein die Monatsmiete: für normal eingeschriebene Studenten kostet ein Wohnheimsplatz 60 Rubel (das sind weniger als 2 € im Monat), wir haben jeweils ca. 300 Rubel bezahlt, also auch knapp 8 €. Aber das allein reisst es auch net raus.




Nun, nachdem ich dann so ca. eine Woche da war, haben wir doch den Weg gewählt, uns mit Hilfe einer Agentur die Suche erleichtern zu lassen (50% einer Monatsmiete als Vermittlungsgebühr schienen akzeptabel für uns). Innerhalb anderthalb Wochen hatten wir auch endlich ein vielversprechendes Angebot für einen akzeptablen Preis vor uns. Wir konnten uns 2 Wohnungen anschauen und haben uns am gleichen Abend für die erste der beiden entschieden. Mann, waren wir happy! Es winkte eine neue gezieferfreie Bleibe mit ständig fließendem kalten und warmen Wasser, einer Toilette mit Klobrille, einer Waschmaschine und einem Kühlschrank! Herrlich! Seht selbst:



































Wer mal zufällig in nächster Zeit in Samara ist und bei uns vorbeischauen will, hier unsere neue Adresse:














Das ist doch was... als LRT'ler in der Jurij Gagarin Straße zu wohnen :)

Hiermit verabschiede ich mich für den heutigen Tag! Bald gibt es Bilder und auch ein kurzes Video von unserer Einweihungsparty, die am letzten Samstag stattgefunden hat. Bissl Feierei musste auch mal sein!
Wie versprochen melde ich mich dieses Mal mit vielen Bildern.
Soeben wurde bei uns zu Hause das Internet eingerichtet und da dachte ich, ich nutze das gleich mal für diesen Zweck.
Im ersten Bild seht ihr den Haupteingang zur SSAU ("Samara State Aerospace University") bzw. СГАУ ("Самарский Государственныий Аэрокосмический Университет"). Im 2. Bild ist unser Wohnheim Nr. 7 zu bestaunen. Wie es im Inneren dieser Wohnanstalt aussieht, seht ihr im nächsten Post. Auf dem Campus steht noch ein schönes Modell vom Buran und seiner Trägerrakete im Maßstab 1:2, das wollte ich euch auch nicht vorenthalten. Die anderen Bilder zeigen ein bisschen was von Samara und seinen Sehenswürdigkeiten (Stalinbunker, diverse Denkmäler, das Dramentheater, Ich im Bus, Ich an der Wolga, das A. Tolstoi-Museum, Beachvolleyballer an der Wolga,...). Dann habe ich vor einiger Zeit auch einen offiziellen Studentenausweis (студенческий билет), der mich als Erstkursler (первокурсник) ausweist. In Russland zählt man die Studienzeit in Jahren, nicht wie bei uns in Semestern. So bin ich also nach vier Studienjahren wieder zum Ersti degradiert worden :( Naja, aber weil ich den Ausweis eh nur dafür benötige, um hin und wieder auch von einigen Vergünstigungen zu profitieren, kann mir das egal sein.
Auf einem Bild bin ich mit unserem guten Freund Vitalij zu sehen, der uns seit der Ankunft von Andreas mit allem zur Seite steht! Ob es Ausflüge in die Stadt sind, Hilfe bei der Wohnungssuche, Internet-Anschluss, Einführung in die russische Gesangs- und Trinkkultur... mit ihm ist uns vieles erleichtert worden. Und so einigen Spaß hatten wir auch schon zusammen!