Freitag, 17. Oktober 2008

01.10.2008 – Первый день в Самаре; der erste Tag in Samara

Für alle, die sich ein wenig für die russische Sprache interessieren, vorhandenes Vokabular auffrischen oder erweitern wollen oder sich einfach über lustige Zeichen freuen, die sie nicht verstehen, werde ich hier und da mal ein paar russische Wörter in kyrillischer Schrift einbauen. Ich bitte die Experten unter Euch, über evtuelle Fehler hinwegzusehen :)

Самара, Samara! Am nächsten Morgen war ich relativ früh wieder wach. Nach etwa 4 Stunden Schlaf war ich bereit meine unmittelbare Umgebung genauer zu begutachten. Unser Zimmer: ja, unser Zimmer! Wer in einem russischen Wohnheim nach Einzelzimmern sucht, sucht vergeblich. Hier teilen sich 2-3 Studenten 1 Zimmer. Erinnerungen an den Wehrdienst werden wach, und das manchmal nicht nur in Bezug auf die Zimmerteilung. Offiziell sind es 6 Quadratmeter, die mir zustehen. Zusammen haben Andi und ich also 12 qm zur Verfügung. Hier finden zwei Betten, ein Kleiderschrank, ein Schreibtisch und zwei Stühle Platz. Das Zimmer erfüllt seinen Zweck. Mehr ist da nicht zu sagen. Es gibt eine Gemeinschaftsküche, in der die Hälfte der Kochplatten leider nicht funktioniert, vom Backofen ganz zu schweigen, Kühlschrank Fehlanzeige. Die sanitären Einrichtungen: ein Klo ohne Klobrille und offenem Spülkasten (wie sonst überall auch an der Uni) und eine Dusche, die an sich ganz in Ordnung ist. Und es gibt zwei Waschbecken im Flur. Unser Zimmer befindet sich im 9. Stock (von 9) des Wohnheims (общежитие, slang: общага, “obschjaga”) Nr. 7 (von 7). Hier sind in der Regel die ausländischen Studenten untergebracht. Von denen gibt es insgesamt nicht so viele hier, vielleicht sind es 60 der ca. 11000 Studenten. Andere Europäer außer uns gibt es, soweit ich weiß, nicht. Im Moment sind hier Länder wie Kamerun, Kenia, Ghana, Mauritius, Madagaskar, Kolumbien, Nepal, Vietnam und China vertreten. Und alle sprechen Russisch, oder sind dabei, es zu lernen. Das finde ich besonders witzig, weil es doch irgendwie ungewohnt ist, dass sich Afrikaner und Asiaten sich in russischer Sprache unterhalten, wo doch Englisch so viel einfacher wäre. Aber weil die Vorlesungen für alle ausschließlich in Russisch stattfinden, bleibt den Ausländern auch nichts anderes übrig, als Russisch zu lernen und wo immer es geht zu sprechen.

Nachdem ich mich mit den Gegebenheiten vertraut gemacht und mein erstes Frühstück in Russland zu mir genommen hatte, haben wir uns auf den Weg zu unserem Institut (институт) bzw. Lehrstuhl (кафедра) gemacht, wo ich die Leute kennenlernen sollte, mit denen ich die nächsten Monate zu tun haben werde. Wie die strukturelle Organisation der Universität hier (offizieller Name: Samara State Aerospace University bzw. Самарский государственный аэрокосмический университет имени академика С.П. Королева) genau aussieht, ist mir noch nicht ganz klar, was also Institute auszeichnet und was genau die Lehrstühle sind. Es scheint mir jedenfalls etwas anders zu sein als bei uns. Jedenfalls gehören wir dem Lehrstuhl für Konstruktion und Projektierung von Flugtriebwerken (russisch: Кафедра конструкции и проектирования двигателей летательных аппаратов) an. Hier traf ich dann Professor Sergej Viktorinowitsch Falaleew zu einem ersten Gespräch. Ich habe ihm erklärt, wie meine verspätete Anreise zu Stande kam und er erklärte mir, was ich in den nächsten Tagen an Formalitäten zu erledigen hätte, damit ich mich legal in Russland bewegen darf und Zugang zu den Universitätsgebäuden bekomme. Hier ist es nämlich so, dass jedes Gebäude am Eingang von einem Wächter (вахтер) bewacht wird, an dem man durch ein Drehkreuz nur mit entsprechendem Ausweis (Propusk; Пропуск) vorbeikommt. Und das gilt für die Unigebäude, wie auch für das Wohnheim. Im Wohnheim kommt sogar dazu, dass auf jeder Etage noch eine Babuschka (in der Regel pensioniert) Tag und Nacht rumläuft bzw. an ihrem Tischchen sitzt (erinnert mich ein bisschen an eine Klofrau) und aufpasst, dass bloß kein Blödsinn gemacht wird und die Nachtruhe eingehalten wird etc. Passkontrollen macht die Babuschka aber nicht. Um an diese Ausweise zu kommen, steht einem eine mehrtätige Prozedur bevor. Und weil das als Ausländer alleine kaum zu schaffen ist, begleiten mich Aleksandr und Wladimir, zwei Aspiranten an unserem Lehrstuhl, bei meinen Behördengängen. Wie das läuft, und welche Probleme dabei auftreten gibt es beim nächsen Mal zu erfahren.

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